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Samstag, 13. Oktober 2012

"Lia Didi, Sassaa kuthay?"


Wie bereits angekündigt, kommt hier nochmal ein kleiner Nachtrag über die wichtigsten Ereignisse und Veränderungen rund um meine Arbeit & das BSSK Projekt :)




Bei meinem letzten Besuch in Pune hatte ich einen Händler entdeckt, der in einem winzigen Käfig um die 15 oder 20 kleine Hasen-Babys hielt, die zum Verkauf standen. Gleich empfand ich Mitleid mit den Kleinen, zwang mich aber dennoch zur Vernunft und ging weiter, ohne einen zu kaufen. In Sangli wieder angekommen tobte der BSSK-Hund Careggh wieder durch das Haus und alle Kinder fingen vor Angst an zu schreien. In dem Moment kam mir die Idee! Dieses Tier war einfach viel zu groß für solche kleinen Kinder, aber was wäre denn mit den Kaninchen....Die Grünfläche im Innenhof des BSSK ist jedenfalls ungenutzt, was ich schon von Anfang an als sehr schade empfunden hatte.

Ich dachte mehrere Tage darüber nach bis ich mir ein Herz fasste und meine Chefin fragte. Eigentlich war ich schon darauf eingestellt, dass sie mich für verrückt halten und der Idee eine Abfuhr erteilen würde. Doch sie war schlicht-weg begeistert :) Auch sie erkannte, dass dies eine ganz andere Möglichkeit für die Kinder sei, um mehr Verantwortung zu übernehmen, aufmerksamer zu beobachten und anderen Liebe und Zuneigung zu schenken. Die Kinder fragen nun jeden Tag: "Lia Didi, Sassaa kuthay?" - "Leaa, wo ist ist der Hase?" Nun mache ich mich also auf die Suche, nach den kleinen Wackelnasen und verbringe meine Freizeit damit Pläne für einen Auslauf zu entwerfen.

Doch auch außerhalb des BSSK geht die Arbeit im Playhouse von Woche zu Woche voran. Drei Mal wöchentlich kommen um die 15-20 Kinder zusammen. Dienstags für die Handwerks-und Bastelarbeiten, Mittwochs: Mahte-und Naturwissenschaften und zu guterletzt für den Englischunterricht am Donnerstag. Das Playhouse musste leider in eine andere Gegend Sanglis verlegt werden, da der Weg für die Kinder abends einfach zu weit war, sodass viele nur sehr unregelmäßig teilnahmen. Zur Verfügung gestellt bekamen wir eine leere Hütte in der es nicht mal Licht gab und in welcher Fledermäuse, Vögel und andere nette Krabbeltiere nisteten. Erschrocken über diesen Zustand musste ich mich am ersten Abend etwas zusammenreißen nicht einfach den Unterricht zu verlassen. Nun kämpfe ich dafür, dass der Raum etwas schöner gestaltet wird und vor allem erstmal Licht bekommt. Ich bin seit Anfang diesen Monats allein für den Englischunterricht zuständig und damit zur "Lia-Madame" geworden :) Die Kinder nehmen mit sehr viel Freude an meinen zwei Stunden pro Woche teil und sind fleißiger denn je. Da es ein paar Anfangsschwierigkeiten mit dem englischen Alphabet gab, habe ich eine Lernhilfe gemalt & gebastelt, um es für meine kleinen Schüler etwas anschaulicher zu machen. Auf dem Nachhauseweg bin ich meist von einer Traube von Kindern umgeben, die mich unbedingt noch bis zur nächsten Kreuzung begleiten wollen. Vor Essenseinladungen von den Schülern selbst, als auch von deren Eltern, kann ich mich kaum mehr retten.



Die Hausbesuche sind nun bereits in meinen Arbeitsplan eingeflossen, sodass ich meist zwei mal pro Woche mit einer der BSSK-Frauen mitgehe, um ein Weiteres der Sponsorship-Kinder zu besuchen. Insgesamt ist die Zahl, der geförderten Familien schon auf 470 gestiegen. Manchmal werden sowohl das Kind, als auch dessen Eltern finanziell unterstützt. Meist hat das die unterschiedlichsten Hintergründe. Oft habe ich mir schon alte Akten über die Kinder durchgelesen. Dass es sich dabei um ein reales Leben und kein Drama im Fernsehen handelt ist selbst für mich manchmal noch nicht zu begreifen. Jedes Kind und jede Familie hat ihre eigene Geschichte und ist oft so erschreckend oder grausam, dass man es einfach nicht wahrhaben will. Anders als ich es anfangs erwartet hatte, ist es weniger die Freude, sondern eher die Furcht, die in den Gesichtern der Menschen zu lesen ist, wenn sie die monatliche Unterstützung erhalten. Sie fühlen sich abhängig und unterworfen. Pro Tag schaffe ich es meist mit der Sozialarbeiterin 6 Familien zu besuchen. Oft geht viel Zeit dabei verloren, die  Häuser bzw. Hütten und Wohnungen der Sponsorship-Kinder zu suchen, da es in Sangli keine Hausnummern und oft nicht einmal Straßennamen gibt. Spannend ist für mich jedoch, dass sich jeder trotzdem zu kennen scheint und man am Ende nach 3-5 Mal Nachfragen oft doch ans Ziel kommt. 
Kleine Gassen, Geheimgänge, Häuser die nicht wie Häuser, sondern Ställe aussehen, Frauen die im Matsch neben ihren Ziegen sitzen. Familien, die mich mit großen Augen anschauen, wenn ich ihr zu Hause betrete und der pure Stolz in den Augen der Kinder, dass "die Weiße" bei ihnen zu Gast war. Kleine Eindrücke, die euch vielleicht besser verstehen lassen, warum ich diese Hausbesuche so schätze.
















Das absolute Highlight der letzten Wochen war jedoch ein Treffen am Geburtstag Mahatma Ghandis, am 02. Oktober. Ihm zu Ehren wurde ein Treffen organisiert, bei welchem viele verschiedene Organisationen, Vereine oder Einrichtungen aus Sangli und Umgebung vorgestellt wurden, die einen wohltätigen Hindergrund haben. Zu jedem Projekt gab es jeweils einen kleinen Stand, wie wir es von Weihnachstmärkten beispielsweise kennen, der dazu diente über die Absichten aufzuklären und verschiedenste Dinge aus eigener Produktion zu verkaufen. Von selbstgemachten Parfümfläschchen, Lesezeichen, Haarspangen, über Taschen und Teppichen bis hin zu riesigen Gemälden war alles dabei. Spät am Abend und zum krönenden Abschluss der Veranstaltung trat eine Gruppe mit dem Namen "For us to the Sky is the limit" auf. Dabei handelte es sich um Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen. Ganze 2 1/2 Stunden tanzten und sangen sie, bildeten Formationen oder zeigten andere Talente. Es war so beeindruckend das ich ein paar Mal den Tränen nah war. Sie waren stolz auf ihr Können und mit Leib und Seele dabei. So wurde es auch für mich zu einem wirklich unvergesslichen Abend. Leider versagte meine Kamera. Fotos könnt ihr aber gern auf ihrer eigenen Hompage anschauen ;)

http://www.hohk.org.in/




Wie ihr seht kommt das Wort "Langeweile" in Sangli bei mir also nicht vor! Es ist nach wie vor ein Erlebnis, jeden Tag :) 





Samstag, 15. September 2012

So ist es wirklich hier .... :)


Auch wenn ich euch schon im Vorraus versucht habe einen EInblick in meine zukünftige Arbeitstelle zu geben, ist hier nochmal ein kleiner Bericht über meine tatsächlichen Aufgaben im BSSK, meinen Tagesablauf und Genaueres über die Einrichtung selbst.

Wie es mir auch vor meiner Anreise erzählt wurde, kommen viele Kinder bereits wenige Tage nach ihrer Geburt hierher. Es gibt allerdings auch Fälle in denen die Kinder von den Eltern abgegeben werden, wenn sie schon älter sind, oder die Kinder den Eltern weggenommen werden, da sie sie schlecht behandeln und sowohl soziales Umfeld, als auch der Lebensstandard, selbst für indische Verhältnisse, zu schlecht sind.

Die Kinder sind im BSSK in Gruppen eingeteilt.

Die NICU sind die Neugeborenen und wenige Monate alten Kinder.
Die Dew Drops ("Tautropfen") sind die Babys von einem Halben bis 1 ½ Jahren.
Die Twinkling Stars ("Glitzernde Sterne") sind die 1 ½ Jähringen bis 3 Jährigen und die Rainbowgroup ("Regenbogengruppe") ist für alle Älteren. Also für die 3 bis maximal 6 Jährigen.
Außerdem gibt es noch die "Special Needs". Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Kinder, die eine Behinderung haben.

Wenn ein Kind das 6. Lebensjahr vollendet hat, weder adoptiert, noch zur Adoption freigegeben ist und auch nicht in die leibliche Familie zurückkehren darf, wird in eine andere Einrichtung versetzt.
Gerade für die Kinder in diesem Alter ist es meiner Meinung nach eine Zumutung! Das Kinderheim ist in den meisten Fällen die einzige Familie die sie haben. Wie soll also ein Kind diesen Alters mit solchen Problemen fertig werden?

Gerade zu meiner Ankunftszeit gibt es einen dieser Fälle, bei unserer Ältesten. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, dass dem Kind Schulfreunde, "Familie" und zu Hause ... einfach weggenommen werden, nur weil es älter geworden ist. Sie weint den ganzen Tag, aus Angst, bald nicht mehr hier sein zu dürfen.

Ich arbeite in allen Gruppen mit und versuche mich mit den Kindern zu unterhalten, mit ihenen zu spielen und natürlich ganz besonders für sie da zu sein. Ich habe die Möglichkeit in den ersten Wochen in alle Tätigkeitsbereiche reinzuschnuppern und dann erst meinen Arbeitsplan aufzustellen. Das Personal des BSSK ist außerdem sehr offen für neue Projektideen, sodass meiner Kreativität keine Grenzen gesetzt sind :)

Alle Frauen die im BSSK arbeiten, sowie Mâma, der Fahrer und damit einzige Mann des Kinderheims sind wahnsinnig nett und aufgeschlossen mir gegenüber. Natürlich besteht immer mal wieder ein kleines Verständigungsproblem zwischen mir und einigen Frauen. Doch sowohl sie als auch ich können oft herzlich darüber lachen, wenn wir dann endlich verstanden haben, was der andere meinte :)
Alle Frauen die in der Leitung des BSSK arbeiten, also die meiste Zeit im Büro sitzen, sprechen jedoch etwas besser Englisch, sodass immer mindestens eine Person im Haus ist, zu der ich gehen kann, wenn mich absolut niemand versteht ;)

Seitdem jedoch bekannt ist, dass ich mich ernsthaft darum bemühe Marathi zu lernen, werde ich täglich mit vielen vielen neuen Worten konfrontiert, sodass es nach einiger Zeit hoffentlich wirklich der Fall sein wird, einfache Sätze zu sprechen und zu verstehen!



Mittwoch, 15. August 2012

Montag, 23. Juli 2012

Mein Projekt

Wie versprochen werde ich auch auf meiner Seite die Informationen zu meinem Projekt in Indien festhalten:


Was mache ich ab August 2012 in Sangli, Indien?

Meine Aufgaben:

Unterstützung des Personals im Gemeinschaftsservice, Kinderadoption- und aufnahme, Hilfe bei alltäglichen Angelegenheiten der Kinder, Unterhaltung und kreative Projektgestaltung für und mit den Kindern

Warum spenden?

Mit Ihrer Spende leisten Sie einen direkten Beitrag zur interkulturellen Verständigung. Indem Sie mich und meine Arbeit fördern, helfen sie dem Kinderheimprojekt und tragen somit zur Entwicklung der Kinder des BSSK in Sangli bei.

Sie haben außerdem die Möglichkeit während des gesamten Jahres mitzuverfolgen, was im BSSK geschieht. Ich biete Ihnen an Fotos, Berichte oder andere Informationen per E-Mail zukommen zu lassen. Gerne können sie mein Jahr in Indien über meinem Blog verfolgen.

Das BSSK in Sangli bietet Kindern von 0 bis 6 Jahren, unabhängig von ihrer Kaste, ein zu Hause. Bei den Kindern handelt es sich ausschließlich um Waisen und/oder Kinder ungewollter Schwangerschaft. Ziel des Projektes ist es, liebevolle Adoptivfamilien für diese zu finden. Als Freiwilliger bereitet man die Kinder, gemeinsam mit dem Personal auf den indischen als auch auf den westlichen Lebensstandard außerhalb des Kinderheimes vor.

Meine Trägerorganisation ist der Internationale Bund (IB), einer der größten Anbieter der Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit in Deutschland. Parteipolitisch und konfessionell unabhängig hat der IB sich seit seiner Gründung 1949 diese Ziele gesetzt:

·         Menschen zu helfen, sich in Freiheit zu entfalten zu können, ihr Leben selbst zu gestalten, sich in die Gesellschaft einzugliedern, Verantwortung zu übernehmen und sich an der gesellschaftlichen Entwicklung zu beteiligen

·         Bereitschaft zu wecken

·         Internationale Verständigung und Zusammenarbeit fördern und verwirklichen

Hier ist Ihre/ Eure Hilfe gefragt!

Um die Kosten des Aufenthalts zu finanzieren erhält jeder Weltwärts-Träger eine Förderung von max. 75% der Gesamtkosten, vom Staat. Um die restlichen 25% zu finanzieren wird der Freiwillige dazu angehalten einen Förderkreis aufzubauen.

Bitte unterstützen Sie mich und das BSSK in Sangli durch eine Spende. Sie können sich sicher sein, dass Ihr Beitrag das Ziel erreicht.

Wenn Sie eine Spendenbescheinigung benötigen, füllen Sie bitte das beigefügte Formular aus oder senden mir Ihre Daten per Mail an:

lea.kirsch@hotmail.de

Die Spende geht zunächst an Lea Kirsch. Verwendungszweck:  Spende IB VAP auf das Konto der Sparkasse Jerichower Land, BLZ: 81054000, Kontonummer: 1502068822
Ich werde Ihre Daten umgehend an den IB weiterleiten, von dem Sie dann anschließend die Spendenbescheinigung erhalten werden.

Weitere Informationen finden sie unter: